... alles wird jetzt wie im Märchen ...

Eine noch längere Wartezeit durchlebte im Ausland die Cellistin Michaela Fukačová, die als junge Hochschulabsolventin nach Dänemark gegangen war. Obwohl sie sich, wie sie selbst sagt, manchmal überlegen musste, ob sie sich ein Brot leisten kann, verfolgte sie stur ihren Plan, sich als Solistin durchzusetzen, und lehnte die Teilnahme an Wettbewerben für die Aufnahme in verschiedene dänische Orchester ab. Die Türen der Konzertsäle öffnete ihr am Ende der Preis beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb, nach dem ein rascher Aufstieg nach oben folgte.

Fukačová hatte in der Tschechoslowakei Studienprobleme wegen ihrer politisch nicht genehmen Eltern, die ähnlich wie Tučapský ihre Arbeitsstelle verloren hatten. Die Emigration zu ihrem Mann nach Dänemark im Jahr 1985 betrachtete sie ihren eigenen Worten nach als eine Emigration in die Welt der ersehnten Freiheit, obwohl sie dafür den Weg der legalen Auswanderung wählte. Obwohl ihr dieser Weg bis zu einem gewissen Maß auch durch ihre Jugend und auch durch die Unterstützung der Familie ihres Mannes erleichtert wurde, wurde sie von den ersten Erfahrungen in Dänemark kalt erwischt:

„Ich hatte die romantische Vorstellung, das jetzt alles wie im Märchen werden würde. Stattdessen geriet ich schon bald in eine tiefe Krise. Schrecklich fehlte mir all das Gutbekannte – die Eltern, die Freunde, die gemeinsame Kultur. Ich brauchte lange, bis ich mir endlich abgewöhnt hatte, mein neues Umfeld mit den Sitten meiner alten Heimat zu vergleichen. Und jetzt sage ich mir, welche Vermessenheit, von dem Land, das mich als seine neue Bürgerin aufnahm, zu wollen, dass es meinen altgewohnten Vorstellungen ähnelt ... Ich war bis zu jenem Zeitpunkt wie ein Kind in der Sicherheit eines kommunistischen Gefängnisses und ich musste nun reif werden und in einem Land der Freiheit und Eigenverantwortlichkeit Wurzeln schlagen."

Im Rückblick wird deutlich, dass sich die Zähigkeit für die junge Künstlerin mehrfach ausgezahlt hat. Als Solistin trat sie mit international renommierten Dirigenten und Orchestern auf, sie studierte privat bei Mstislaw Rostropowitsch und war Interpretin hervorragender Aufnahmen (für eine von ihnen darf sie sich mit dem Grammy Classic Award schmücken).
Sie gewann darüber hinaus auch einen tieferen Einblick in sich selbst und in ihren Platz in der Welt, obwohl sie anfangs auf schmerzhafte Weise das Gefühl der Entwurzelung durchlebte. „Wenn wir tief in dieses Gefühl hineingehen, dann ist das nur ein bloßer Gedanke, der uns dieses Gefühl des Getrenntseins und des Mangels aufzwingt. Ich empfinde meine Identität nicht nach der Nationalität, obwohl ich als Tschechin geboren wurde und auch Tschechin bleibe. Ich hatte das Glück, dass ich mein Eigentliches und meine Identität wirklich als etwas erkannt und begriffen habe, was uns allen gemeinsam ist und was unveränderlich bleibt, in welchem Teil der Welt ich auch wohnen mag.“

Michaela Fukačová
Michaela Fukačová

Die Geschichte Michaela Fukačovás hat eine Reihe von Berührungspunkten mit der Geschichte einer anderen Spitzenmusikerin, der in Freiburg lebenden Mezzospranistin Dagmar Pecková. Beide Frauen waren Mitte der achtziger Jahre aus Böhmen weggegangen. Auch Pecková macht heute aus den Problemen ihrer Anfänge keinen Hehl. Oft saß sie angeblich in einem Dresdner Hotelzimmer auf gepackten Koffern und führte Selbstgespräche über den verführerischen Gedanken, sofort das Weite zu suchen. Jedes Mmal aber konnte sie der eigenen Versuchung widerstehen, und so erntet auch sie heute die Früchte ihrer Beharrlichkeit – beispielsweise in Form einer Zusammenarbeit mit Dirigenten wie etwa C. Davis, S. Bychkov, S. Cambreling und W. Sawallisch.